Ein Postfach ist kein Schliessfach

Obwohl (oder weil?) E-Mail einer der ältesten, verbreitetsten und auch am häufigsten genutzer Dienste des Internet ist erschrickt der paranoide Techniker oft, wenn er merkt wie sorglos damit umgegangen wird. Und damit ist nicht der verzichtbare Inhalt gemeint, der wohl den größten Anteil in und an E-Mails ausmacht. Zeit, wieder einmal ein paar sehr, sehr grundsätzliche Dinge zu erläutern!

1. Ein Postfach ist kein Schliessfach – und auch keine Bibliothek, keine Adressdatenbank, keine Bilderverwaltung …

Es ist eine schlechte Idee, sein digitales Leben über den Eingangsordner seines Mailprogrammes zu organisieren. Bewahren sie ihren Reisepass zwischen den Postwurfsendungen auf? Ihre Familienfotos zwischen den Briefen ihrer Kunden und Lieferanten und ihre Haus- und Autoschlüssel zwischen den Reiseandenken? Abertausende Programmierer auf der ganzen Welt versuchen Programme zu schreiben, die ihnen helfen sollen Ordnung in die Dinge zu bringen. Die Programmierer ihres Mailprogramms wollen Ordnung in die E-Mails bringen, ihre Fotos damit zu organisieren (nach der Suchformel „Die hat mir doch der XY vor etwa einem halben Jahr geschickt“) war nicht unbedingt ein Teil des Pflichtenheftes – nur weil es geht ist es noch lange nicht sinnvoll.

2. E-Mails sind per Definition unsicher

Sie haben nichts zu verbergen? Gut so, aber sind sie sich sicher, dass nicht alleine ihr Geschlecht, ihr Alter, ihre Hautfarbe, ihre Religion, ihre Vorliebe für Steaks oder Kichererbsen für irgendjemand auf der Welt Grund genug ist sie in eine Schublade zu stecken? Sie haben sich TOR angeschaut, also sind sie Terrorist – das ist natürlich Unsinn, aber nur weil man nicht paranoid ist heisst das nicht, dass man nicht verfolgt wird.
Jede E-Mail ist überall lesbar, solange sie nicht verschlüsselt ist. E-Mails, die gelagert werden bieten dabei ein vollständiges Bild ihrer Person. Wenn sie ihre Mails also am Mailserver speichern (IMAP) kann jeder, der sich Zugang zu diesem Server verschafft, ihren ganzen Schriftwechsel analysieren. Und wissen sie, wie sicher ihr Mailserver ist? Auch ihr privater Rechner ist nicht unbedingt sicherer, aber hier haben sie die Chance durch Beobachten oder Löschen ihre digitale Verwundbarkeit zu minimieren. Wenn sie das POP-Protokoll benutzen werden die E-Mails nach der Übertragung auf ihren Rechner vom Server gelöscht.

3. Stecke die Briefe ins Kuvert

Wie man aus Gangsterfilmen weiss, ist der Transport immer eine gute Gelegenheit, an die Beute zu gelangen. Auch bei der E-Mail ist das so, dass die vielen Stationen, die zwischen ihrem Rechner und dem des Empfängers oder Senders liegen potentielle Schwachstellen sind. Also: ins Kuvert stecken, keine Ansichtskarten schreiben. Dazu müssen sie nur (einmalig!) die Optionen für den verschlüsselten Transport in den Einstellungen auswählen SSL/TLS oder STARTSSL. Der Unterschied ist im Wesentlichen, dass Startssl weicher ist und sich im Falle eines Fehlers mit unverschlüsselten Informationen zufrieden gibt während SSL im Fehlerfall aussteigt und eine Fehlermeldung erscheint.
„Das beste SSL ist immer noch PGP!“ ist in manchen Foren zu lesen: also den Inhalt zu verschlüsseln ist noch besser als ihn nur beim Transport zu verpacken.

4. Sparen obwohl es nichts kostet

Werfen Sie weg. Also mehr als bisher – heben sie sich nicht Dinge auf die vielleicht einmal wichtig werden könnten – bis dahin haben sie vergessen, die Information irgendwo gespeichert zu haben und beschaffen diese neu. Sparen sie den Platz auf den Festplatten auch wenn er sie nicht direkt etwas kostet (auch wenn sie sich heute nicht vorstellen können, jemals so viele Daten zu horten, dass es eng werden könnte). Die eigentliche Information eines E-Mails besteht aus Buchstaben und die benötigen 1 Byte je Zeichen (im UTF-8 bei bestimmten Zeichensätzen bis zu 4 Byte). Das, was ihre Speicherkapazitäten belastet sind Bilder, Töne, Dekorationen jeder Art (CSS, HTML) die um die eigentlichen, durchsuchbaren Informationen herumgespeichert werden.
Weniger, essentiellere Daten machen die Systeme schneller, kleiner – und besser nutzbar. Und nicht vergessen: Dinge die nicht gespeichert werden können auch schlecht durchsucht werden.

5. Praktisch – für wen?

Einen Irrtum begeht jeder, der glaubt IMAP sei modern und POP altmodisch, und noch dazu sei modern besser. Worum geht’s denn wirklich? Sie wollen Ihre Informationen unterwegs vom Handy abfragen und trotzdem sicherheitshalber die E-Mail zu Hause am Rechner speichern? Also lautet die Empfehlung: IMAP am Handy, POP am Rechner!
So bekommen sie jene E-Mails am Rechner zugestellt, die sie ev. unterwegs bereits gelesen haben, idealer Weise bereits als  gelesen markiert. Und dann ist am Server wieder Platz für neue (wichtige) Informationen.
Und auch das IMAP-Protokoll erlaubt ihnen E-Mails zu löschen. Einfacher Tipp: verschieben sie alle wichtigen Mails in eigene Ordner und aktivieren sie eine automatische Löschung der Inboxmails nach 4 Wochen. Denn (siehe 1.!!!) ein Postfach ist kein Schliessfach …

 

 

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